Auf dem Weg in die Spitze

Ein 18-jähriges Talent aus Halle mischt die Bundesliga auf. In der nächsten Saison spielt Emma Cyris mit dem Dresdner SC um die Deutsche Meisterschaft. Das große Volleyball-Talent Emma Cyris unterschreibt einen Drei-Jahres-Vertrag beim Bundesligisten Dresdner SC. Für Außenstehende klingt es aber spektakulär: Eine 18-jährige Abiturientin spielt ab der nächsten Saison bei einem der besten Volleyball-Klubs Deutschlands, wird als Top-Transfer gehandelt. Das Besondere: Ihre Wurzeln liegen nicht in einer der Volleyballhochburgen wie Schwerin oder Berlin - sie kommt aus Halle, die beste Frauenmannschaft spielt hier „nur“ in der Regionalliga.
Ihre sportliche Karriere begann Cyris jedoch beim VC Bitterfeld-Wolfen, da auch ihr Bruder hier das Volleyball-ABC erlernte. Mit 13 zog es das Talent dann nach Berlin an die Sportschule. Der Wechsel kam eigentlich ein Jahr zu früh für ihren Jahrgang 2001, und der Weg, den sie damit einschlug, gestaltete sich nicht immer leicht. So war sie nur selten zu Hause, absolvierte mehrere Trainingseinheiten am Tag und hatte nebenbei noch schulische Aufgaben zu bewältigen. Doch es war die Chance, sich unter den besten Bedingungen weiterzuentwickeln. „Der Schritt an die Sportschule war für mich absolut richtig“, sagt Cyris daher heute. „Ich bereue nichts.“
Zumal die Hallenserin in der Folge in den Kader der Jugend-Nationalmannschaft berufen wurde und mit dem Team 2017 die Europa- und Weltmeisterschaft der U 18 bestritt. Die bisherigen Highlights ihrer Karriere. Zur Saison 2017/2018 spielte Cyris mit dem VC Olympia Berlin schließlich ihre erste Bundesliga-Saison. Im darauffolgenden Jahr etablierte sie sich bereits als Stammspielerin und wurde sechs Mal zur wertvollsten Spielerin gekürt. Der Lohn: Die Berufung in den Nationalkader der Frauen Anfang Januar 2019.
Nun neigt sich die Schulzeit dem Ende zu und für Cyris beginnt ein neuer Abschnitt. Das junge Talent stand vor der großen Frage, wie es nach den Lehrjahren in der Hauptstadt weitergehen soll. Natürlich schauten die Bundesligavereine immer genau hin, wenn das Team aus Berlin mit seinen Nachwuchstalenten in die Halle zum Ligaspiel kam. Welche Mädchen haben Potenzial? Wen lohnt es zu fördern? Cyris hat sich dabei von ihrer besten Seite gezeigt. Das hallesche Talent war heiß begehrt. „Die ersten Vertragsangebote habe ich schon vor zwei Jahren erhalten. Mit der Zeit haben sich immer mehr Vereine gemeldet und wollten Gespräche mit mir führen“, erzählt Cyris. Sie hatte also die Qual der Wahl - und entschied sich für den Bundesligisten aus Dresden.
Dass sich der DSC im Rennen um Cyris gegen die Top-Clubs Schwerin und Stuttgart durchsetzen konnte, hat verschiedene Gründe: Einer sei die Nähe zur Heimat gewesen, sagt die Abiturientin. Deswegen lehnte sie auch eine Anfrage aus der italienischen Liga ab. Außerdem hätte beim DSC einfach alles gepasst - sie kennt den Trainerstab sowie einige Spielerinnen und fühlt sich in Dresden sehr wohl. „Ich freue mich riesig auf den Umzug und das neue Team“, sagt sie. Wenn nun alles glatt läuft, sie verletzungsfrei bleibt und gut trainiert, steht ihrer Karriere in der Bundesliga und Nationalmannschaft nicht mehr viel im Weg.
Ein Vorbild für die Volleyballjugend Sachsen-Anhalts ist Cyris aber auch jetzt schon. Dass es jemand aus den eigenen Reihen nach ganz oben schafft, motiviert die Spielerinnen des Landes ungemein - doch um in ihre Fußstapfen zu treten, braucht es mehr als nur 1,90 Meter Körpergröße. Cyris’ Qualitäten beschränken sich nicht nur auf Block und Schmetterball, auch in der Annahme und Abwehr wird sie den DSC dank ihrer guten technischen Ausbildung bereichern können - die Hallenserin ist ein Komplettpaket.
Nach einer eher enttäuschenden Saison mit dem frühen Viertelfinal-Aus im Kampf um die Meisterschaft will man in Dresden im nächsten Jahr wieder oben mitmischen - und Cyris ist mittendrin. Als erste Hallenserin bei einem Top-Team. [Mitteldeutsche Zeitung Halle, Ausgabe 04.05.2019.]